Seite 3

Willy machte eine Pause und legte ein paar trockene Äste in das Feuer. Dann schüttelte er den Kopf, als hätte ihm jemand eine Frage gestellt. Er schaute Christian und Kimmy an, die aber anscheinend keine Fragen hatten.

„Na gut, ich greife der Geschichte vor. Also weiter im Text.

Nach allem, was wir wissen, waren die Wissenschaftler in RodLand vorrangig damit beschäftigt, in den Bereichen Energiegewinnung, Nahrungsersatzmittel und Überwachungstechnik zu forschen. RodLänder, die nicht zu den Wissenschaftlern gehörten, setzten die Erkenntnisse in die Praxis um und bedienten die Anlagen, reparierten sie und nutzten die Produkte, die hergestellt wurden.

Die Wissenschaftler in WestLand beschäftigten sich außschließlich mit der Genforschung und die übrigen Menschen bauten Lebensmittel an, züchteten Nutztiere und verarbeiteten sie, trieben Handel und widmeten sich der Künste.

Wir wissen, dass es weder die RodLänder, noch die WestLänder nötig hatten, sich mit ihrer Arbeit zu ernähren. Es gab Depots, die regelmäßig auffüllten, was die Menschen benötigten. Und zwar in beiden Ländern. In RodLand funktionieren sie teilweise heute noch. Wahrscheinlich, weil es dort genug Techniker gab, die sie regelmäßig instand hielten.

In WestLand ist nur noch die Versorgung mit Wasser und Strom zuverlässig gesichert. Alle anderen lebensnotwendigen Dinge stellen die Menschen mittlerweile komplett selbst her. Deshalb wird die Anzahl der Menschen hier so klein gehalten, dass es für alle reicht. Aber dazu komme ich später noch einmal.

Die Lieferung der Depots ist so angelegt, dass es die Menschen gar nicht merkten, dass sie von Außen versorgt wurden. Wahrscheinlich ist, dass dies genau so gewollt war. Die Versorgungsstrecken in RodLand enden in euren Versorgerläden, Christian. Über Nacht arbeitet auch heute noch eine Maschinerie, die die Lager auffüllt. Nur nicht mehr mit allen möglichen Sachen, die es ursprünglich einmal gewesen sein müssen. Die Lücken füllen heute die Nahrungsmittel auf, die aus Biomasse bestehen.

In WestLand sorgten unterirdische Anlagen dafür, dass die Felder, die um die Gemeinschaftslager angelegt wurden, fruchtbar und ertragreich waren. Diese Anlagen sind schon vor langer Zeit ausgefallen. Zusätzlich gab es auch noch ähnliche Versorgerläden, wie es sie in RodLand immer noch gibt. Sie waren klein, eher unscheinbar, und sie standen immer an der Zugangsstraße zu dem jeweiligen Lager.
Der erste Rat von WestLand beschloss, die Läden in Wächterhäuser umzuwandeln. Das war damals die Aufgabe der Depot-Betreiber, den Lehrern der heutigen Wächter. Sie wurden vom Rat zum Still-Schweigen verpflichtet und allein diese Gruppe Menschen betraute man mit dieser Aufgabe. Sie veränderten das Aussehen der Läden, so gut, wie sie es eben konnten. Sie verwalteten auch den immer spärlich werdenden Nachschub. Die Leute gewöhnten sich daran, dass im Versorgerladen nun ein Wächter wohnte, der nur noch bedingt Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände ausgeben konnte. Sie machten sich keine Gedanken darüber. Im Gegenteil, das spornte sie nur dazu an, ihr Handwerk intensiver zu betreiben und zu vervollkommnen.

Wir wissen, dass die Veranlagung eines Menschen in seinen Genen begründet ist. Daher sind wir überzeugt, dass es sich bei uns um ausgesuchte Menschen handelt. Hand-Verlesen, sozusagen. Deswegen ging der Ausfall der Versorgerstrecken ziemlich spurlos an den Menschen vorbei. Niemand wurde böse, oder gewalttätig. Man gewöhnte sich an den Mehraufwand, erledigte ihn sogar gern.

Und dann gab es einen Totalausfall aller Anlagen. Was ihn bewirkt hat, wissen wir bis heute noch nicht. Fakt ist, dass beide Länder plötzlich ohne Strom auskommen mussten. Nach fünf Stunden und dreiundzwanzig Minuten war der Strom wieder da, und mit ihm einiges, was vorher noch nicht dagewesen war.

-3-