Die Klopapier-Party

Wir hatten ja die Toilette eine halbe Treppe tiefer. Ja…, sowas gab es damals noch. Da ich mein unberechenbares vierjähriges Kind gern unter Kontrolle hielt, durfte er lange Zeit nicht ohne Aufsicht auf Toilette gehen. Irgendwann erlaubte ich ihm das dennoch. Anfangs ging auch alles prima.

Eines Tages dauerte der Toilettengang ungewöhnlich lange. Ich stand in der Küche und bereitete das Abendessen vor, und Martin kam einfach nicht wieder.

Also ging ich leise nach unten, um nachzusehen, was das Kind machte. Ganz vorsichtig öffnete ich die Toilettentür. Da stand doch dieser Junge im Fenster. Das „Fenster“ war zwar nicht größer, als ein Handtuch, aber dennoch groß genug, dass ein Vierjähriger durch gepasst hätte.

Im ersten Moment war ich starr vor Schreck. Dann bewegte ich mich so leise und so schnell es mir möglich war, und holte den Kleinen vom Fenster weg. Ich war so erschrocken, dass ich Martin ganz fest an mich drückte und zu Weinen begann.

Martin wusste gar nicht, wie ihm geschah. Sicherheitshalber weinte er erst einmal mit. Dann setzte er sich bereitwillig auf den Treppenabsatz, um zu warten, bis ich die Toilette wieder in Ordnung gebracht hatte.

Ich weiß bis heute noch nicht, wie dieses Kind es schaffte, die doppelte Fensterverriegelung zu öffnen. Als ich das Fenster wieder schließen wollte, sah ich die Bescherung. Er hatte tatsächlich fünf Rollen Klopapier vom Fenster aus aufrollen lassen. Wir wohnten zwar in der fünften Etage, aber das langt noch lange nicht aus, um eine Rolle Klopapier wirklich abzurollen. Die Reste lagen somit im Innenhof. Zwei der Papierfahnen hatten sich an den Balkonen unserer Nachbarn verheddert, die mittlerweile auch schon Ausschau nach dem Übeltäter hielten.

Im Hof fanden sich unterdessen die ersten Nachbarskinder ein, die sich mit Wonne der restlichen Klopapierrollen annahmen und sich gegenseitig damit bewarfen.

Martin stand mit leuchtenden Augen am Fenster des Treppenhauses und bestaunte den Schlamassel, den er angerichtet hatte.

Ich war zu glücklich darüber, dass ihm nichts passiert war und verzichtete auf die angebrachte Standpauke. Stattdessen sagte ich nur: „Das wirst du wohl aufräumen müssen.“

Jede Freude erlosch aus seinen Augen und mit gesenktem Kopf trottete er die Stufen hinab. Unten angekommen wurde er von seinen Freunden jubelnd in Empfang genommen und war in sekundenschnelle an der Klopapierrollenschlacht beteiligt.

Natürlich standen auch schon einige Mütter und Väter auf dem Hof, um sich das Spektakel aus der Nähe zu betrachten. Ein Vater kam lachend auf mich zu und meinte, ich solle nicht so ein böses Gesicht machen. Es wäre doch ein Heidenspass für die Kinder. ‚Na prima, dachte ich, was für ein Spass.‘ Er bot mir eine Zigarette an und zog mich in den Kreis der Eltern. Gemeinsam betrachteten wir die Klopapierschlacht und langsam konnte auch ich mit den anderen lachen.

„Lasst sie toben, “ sagte ein anderer Vater. „Ich hole den Grill heraus, jeder holt, was er hat, und dann machen wir Abendbrot. Unsere Krieger werden bald müde sein, und dann Hunger haben.“

Wir waren alle einverstanden und innerhalb einer Viertelstunde hatten wir die schönste Hinterhofparty.

Klopapier ist von Natur aus nicht sonderlich widerstandsfähig und so wurde unseren Kriegern langsam langweilig. Außerdem zog der Duft von gebratenen Würstchen durch den Innenhof.

Ich holte Martin aus der Schlacht und schickte ihn auf Friedenstour zu den Nachbarn, die als erste mit Klopapier beschossen wurden. Nicht sonderlich reumütig bat er dort um Entschuldigung und fragte, ob sie die Papierreste in den Hof werfen würden. Dazu waren sie gern bereit und gaben ihm sogar noch Bonbons für ihn und seine Kriegskameraden mit.

Was will man da erziehen? Ich ließ die Sache einfach laufen. Als Gegenzug für die Bonbons halfen alle Kinder dabei, das Schlachtfeld zu beräumen.

Danach aßen Eltern und Kinder noch zu Abend und wir hatten wirklich alle das Gefühl, einen schönen Abend verbracht zu haben.

Erzieherisch wirksam, oder auch nicht. Das mag jeder für sich entscheiden.

Für mich war es nur ein gutes Ende für eine Geschichte, die echt übel hätte enden können.

Nichts desto Trotz, gibt es tatsächlich Seiten, die sich mit Klopapierspielen eine Menge einfallen lassen. Wen es interessiert, lest einfach hier

 

 

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